Abbiegespur: SPD lässt „Ante“ im Stich

Vermeintliche Vorteile des Umbau-Konzeptes überzeugt die Mehrheit nicht

Der Knotenpunkt Frankfurter Straße/Rüsselsheimer Straße wird möglicherweise nicht umgebaut. Die Verkehrskommission wenigstens ist dagegen.

Von Manfred Becht

Weilbach. Thomas Ernst, Verkehrsgutachter bei der Mociety Consult GmbH, hat wohl für den Papierkorb gearbeitet und die Stadt hätte sich das Honorar für sein Gutachten sparen können. Denn was immer aus Weilbacher Sicht den Verkehrsfluss an der Einmündung der Rüsselsheimer Straße in die Frankfurter Straße verbessert ist von Übel, weil es mehr Verkehr in den Ort lockt. Und das wollen die Weilbacher auf keinen Fall, wie mehrere Besucher aus dem Stadtteil in der städtischen Verkehrskommission deutlich machten.

Nur zwei Ja-Stimmen

Ernst hatte gerechnet, welche Abbiegespuren man anlegen müsste, ob eine Ampel sinnvoll sei und wie man diese schalten müsse. Aber das interessierte in der Kommission nicht alle und im Publikum kaum jemanden. Eine Ampel müsse her, erklärte Ernst, und diese bringe nur etwas, wenn auf der Frankfurter Straße Abbiegespuren eingerichtet würden. Auf dieser Basis aber weiter zu planen, dafür stimmte neben dem Bürgermeister Michael Antenbrink („Ante“) nur sein Parteikollege, SPD-Stadtverordneter Karl-Heinz Landwehr.

Antenbrink machte zwar deutlich, dass der Magistrat sich an das Votum der Kommission nicht zu halten brauche. Aber auch der Magistrat kann nur aktiv werden, wenn er die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung bekommt. Wie die Abstimmung dort ausgeht, ist völlig offen. CDU und FDP, die den Plan in der Verkehrskommission vehement ablehnen, haben in der Stadtverordnetenversammlung alleine keine Mehrheit, und die in der Kommission arbeitenden sachkundigen Bürger sind dort nicht dabei. Vergeblich wies Antenbrink auf die Vorteile des Umbaus hin – weniger Schleichverkehr in der Schulstraße und der Raunheimer Straße, mehr Sicherheit für die Fußgänger durch eine Ampel, weniger Staus und damit weniger Belastung durch Lärm und Abgase. Die Gegner stoßen sich daran, dass in der Frankfurter Straße eine größere Zahl von Parkplätzen verloren gehen, je nach Einschätzung 15 bis 30 Stück. Außerdem sei dann die Einfahrt in die Massenheimer Straße nicht mehr möglich, was wiederum zu Schleichverkehr führe.

Keine Kreisellösung

Auch mögliche Kompromisslinien hatten in der Kommission keine Chance. Die SPD könnte sich eine Ampel ohne Abbiegespuren vorstellen – das aber würde den Verkehrsfluss nur unwesentlich verbessern, so dass sich das Land weigern würde, die 150 000 Euro teure Ampel zu bezahlen. Für einen Verkehrskreisel fehlt der Platz, ein sogenannter Mini-Kreisel würde nach Einschätzung von Verkehrsgutachter Ernst einfach überfahren und damit zu chaotischen Verhältnissen führen. Und Antenbrink ergänzte, die Landesstraßenbauverwaltung werde eine solche Variante auch nicht zulassen.

Nicht viele Freude fand auch die Idee der Galf, die Ampel so zu schalten, dass zu schnell fahrende Autos gestoppt werden. Allerdings zeigten die Rückfragen, dass es der Galf nicht gelang, die Wirkungsweise des Systems richtig zu verdeutlichen. Freilich hatten im Publikum längst nicht alle Lust, sich noch groß mit Argumenten auseinanderzusetzen.

Ortsumgehung gefordert

Berthilde Enders brachte die Position der Weilbacher auf den Punkt: „Bauen wir die Kreuzung aus, ist das eine Einladung an zusätzlichen Durchgangsverkehr.“ Die kleine Ortsumgehung müsse her – in diesem Punkt trafen sich alle Zuschauer und Mitglieder der Verkehrskommission wieder, und man solle sich damit etwas beeilen. Dass Bürgermeister Antenbrink wissen ließ, selbst für das erste Teilstück gebe es Baurecht frühestens in fünf, für die gesamte Trasse möglicherweise erst in 15 Jahren, konnte an der Stimmungslage nichts ändern.

Quelle: (Höchster Kreisblatt) zum Artikel

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